Kim Downward CausationJaegwon Kim über Emergenz und Kausalität des Mentalen in Emergence and Reduction (1992) und Physicalism, Or Something Near Enough (2008)

Paul Natterer
2010 [2008]
48 Seiten
Sprache: Deutsch
Reihe: Sonderdruck zu Edition novum studium generale 5. E-Version.
Ausgabe: PDF-Datei
Format: DIN A4

Datenübermittlung:

Jaegwon Kim über Emergenz und Kausalität des Mentalen

Artikelbeschreibung

Jaegwon Kim ist einer der maßgeblichen Vordenker der Analytischen Philosophie des Geistes. In Bezug auf die ontologischen Verpflichtungen oder metaphysischen Voraussetzungen der Philosophie des Geistes ist Kim wahrscheinlich der international einflussreichste Denker. Kims ausführlichste und aktuellste Darstellung dieser Zusammenhänge ist sein Physicalism, or Something Near Enough (Princeton/Oxford, 3. Aufl. 2008 [12005]). Der Titel meint, dass nach wie vor der Physikalismus grosso modo als metaphysische Standardtheorie gelten sollte, aber eben nur grosso modo oder wie Kim sagt: „something near enough“. Denn Kim öffnet sich in dieser jüngsten Veröffentlichung den Argumenten von mindestens epistemischen und z.T. ontologischen Mentalisten wie David Chalmers, Thomas Nagel und John Searle. Er übernimmt deren These, dass die bewusste phänomenale Ebene der Erlebniswelt qualitativer Sinnesempfindungen oder Erlebnisqualitäten (=Qualia wie Azurblau, Erdbeergeschmack, Sandelholzduft, Schmerz) weder auf die physikalische oder neurowissenschaftliche Ebene reduzierbar ist, noch auf die funktionalistische Ebene objektiven Geistes (Information), sondern eine eigene ursprüngliche Realität darstellt. Nach wie vor ist Kim jedoch der Meinung, dass die kausal-funktionalistische Ebene der mentalen Informationsrepräsentation und -verarbeitung auf die physikalische Ebene reduzierbar ist.

Zu der in Rede stehenden Monographie bzw. zu deren zentraler Argumentation macht Kim die Anmerkung, dass er „first presented this argument in an explicit form in „‘Downward causation‘ in Emergentism and Nonreductive Physicalism“, in Emergence or Reduction?, ed. Ansgar Beckermann, Hans Flohr, and Jaegwon Kim (Berlin: De Gruyter, 1992)” und dass in seinem neuen Buch „this argument will be discussed in greater detail ..., including responses to some objections and criticisms that have been raised against it” (Physicalism, or Something Near Enough, Princeton/Oxford 2008, 19). Das einführende Kapitel 1 des Buches hat denn auch genau zum Thema: „Mental Causation and Consciousness. Our [= the physicalists] two Mind-Body-Problems“.

Kim nennt darin das Leib-Seele-Problem in Anlehnung an Schopenhauer „a Weltknoten, an intractable and perhaps ultimately insoluble puzzle“ (2008, 7). Näherhin seien die in Rede stehenden beiden Probleme „the two world-knots“ (2008, 29), „two problems … intertwined, and that … make each other insoluble“ (2008, 13) und welche „turn out to share an interlocking fate“ (2008, 29).“ Im Fazit „these together represent the most profound challenge to physicalism“ (2008, 31). Hier die beiden Probleme in ausführlicherer Formulierung:

Problem Nr 1 – Mentale Verursachung: „How can the mind exert its causal powers in a world that is fundamentally physical?“

Problem Nr. 2 – Bewusstsein: „How can there be such a thing as consciousness in a physical world, a world consisting ultimately of nothing but bits of matter distributed over space-time behaving in accordance with physical law?“ (2008, 7)

Das grundlegende Papier von 1992 ist daher einmal als inzwischen klassischer Text historisch bedeutsam. Es ist aber auch in systematischer Hinsicht bedeutsam, insofern das Papier in sehr konzentrierter Dichte, und in für den Einstieg in die Materie übersichtlicherer Form als in dem späteren Buch das entscheidende Argument formuliert.

Die Ausarbeitung diskutiert Kims Aufsatz von 1992 und stellt denselben vor. Zugleich wird die weitere Entfaltung des Papiers in dem Buch von 2005 vollständig dokumentiert und die dortige Argumentation teils parallel, teils eigenständig mit erörtert. Die Abschnitte 5 bis 8 behandeln schließlich den fachübergreifenden Kontext und aktuellen Forschungsstand zu Kims Themen, wobei Kims Physikalismus - auch in der neuen modifizierten Form - als von Inkonsistenz bedrohte Position ins Relief tritt.